Wer den Abschaltimpuls kennt, weiß ja, dass ich eine Tochter habe.
Sie wird bald 5 Jahre alt und ist – nebenbei bemerkt ein kleines stures Biest (wo sie das nur her hat *hüstel*) – von ihrer Entwicklung her rückständig.
Mit anderen Worten: Ihr Entwicklungsstand beläuft sich etwa auf den eines 3-Jährigen Kindes.
Zu diesem Zweck bekommt sie in ihrem Kindergarten eine Einzelintegration (eine Mitarbeiterin unterstützt meine Tochter, hilft ihr sich zurecht zu finden und fördert gezielt ihre Entwicklung in Alltagssituationen).
Zusätzlich ist sie in logopädischer Behandlung, um sie weiter zu fördern.
Im Vorfeld – als sich die Verzögerung abzeichnete – hatten wir eine Reise von Pontius zu Pilatus des Gesundheitswesens, mit Terminen in Kinderneurologischen Zentren, diverser Fachärzte, dem Gesundheitsamt usw.
Aber das alles habe ich natürlich gerne in Kauf genommen, schließlich möchte ich das Beste für meine Tochter tun, was auch nur ansatzweise in meiner Macht steht.
Long story short:
Meine Tochter hat die Einzelintegration bewilligt bekommen.
Seitdem haben wir eben eine fantastische Mitarbeiterin der Diakonie, die sich nicht nur rührend um meine Tochter kümmert, sondern auch in ganzem Maße hinter der Fortführung der Maßnahme steht, ebenso wie die Kindergartenleitung und mir selbst, da die Fortschritte, die sie macht, “greifbar” sind.
Letztendlich ist es aber so, dass sie noch weit davon entfernt ist, eingeschult werden zu können.
Dazu müsste sie weitaus mehr aufholen, als es in diesem verbleibenden Jahr wahrscheinlich möglich ist.
Aber das ist nicht der Kern der Geschichte, die ich hier erzählen möchte.
Der Kern ist, dass die einzelintegrative Maßnahme, die stattfindet, nicht über die Krankenkasse, sondern über die Kreisverwaltung bezahlt wird.
Deswegen musste die Maßnahme bei der Kreisverwaltung beantragt werden.
Diese prüft nun regelmäßig, wie der Verlauf der Maßnahme ist, also ob sie sich lohnt und ob man nicht – was auch sonst – vielleicht Geld einsparen könnte.
Zu diesem Zweck wir eine sogenannte Teilhabekonferenz einberufen, an der Vertreter der Kreisverwaltung, des zuständigen Gesundheitsamtes, des Kindergartens, der Träger der Maßnahme und die Eltern teilnehmen.
Im Vorfeld wird das betroffene Kind dann im Kindergarten von der Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes besucht, welche sich ein Bild von der Gesamtsituation machen soll.
Nun wurde unsere erste Teilhabekonferenz nach Bewilligung der Maßnahme Monatelang verschoben, bis sie irgendwann mit wahnsinniger Verspätung dann doch endlich stattfand.
Natürlich – um die Maßnahme nicht nur verlängert zu bekommen, sondern auch eine kleine Aufstockung der Stunden zu bekommen, da meine Tochter sich unmittelbar vor dem Wechsel aus der “Kleinkindergruppe” zur “Regelgruppe” befand – waren wir nochmal bei allen Einrichtungen unterwegs, um aktuelle Befunde und auch eine Empfehlung zur Weiterführung der Maßnahme zu bekommen.
Diese wurden eingereicht, zusätzlich mit den Empfehlungen *aller* Beteiligten, die Maßnahme nicht nur fortzuführen, sondern, im Hinblick auf den Gruppenwechsel, sondern auch um ein paar Stunden zu erhöhen.
Bei der eigentlichen Konferenz dann, wurde das seitens der Kreisverwaltung aber auch schon direkt abgebügelt.
Es sollten doch bitte erstmal andere Therapien ausgeschöpft werden, bevor man eine einzelintegrative Maßnahme durchführt.
Nachdem aber *kein* Experte je empfohlen hatte, Ergotherapie oder logopädische Behandlung durchzuführen, waren wir etwas verwirrt.
Mit anderen Worten wollte die Kreisverwaltung am liebsten die Maßnahme komplett absetzen.
Die Dame vom Gesundheitsamt, die sich selbst auch für eine Fortführung ausgesprochen hatte, blieb seltsam still und machte insgesamt ohnehin den Eindruck unter Sedativen zu stehen.
Im Endeffekt haben wir dann mittels einiger Überzeugungsarbeit insgesamt dann doch eine Stundenerhöhung von grandiosen 2 Stunden erhalten.
Nicht das, was wir erhofft hatten, aber immerhin.
Wie dem auch sei, sollte die nächste Teilhabekonferenz dann vor dem 28.02.2010 stattfinden, um zu entscheiden, ob die bis eben zum 28.ten befristete Maßnahme weitergeführt werden sollte.
Wir hörten nichts. Keiner der Beteiligten wußte etwas.
Letztendlich wurde der Termin nun für den 25.03.2010 angesetzt und die Maßnahme wird bis dahin weitergeführt.
So… nun ist der Termin uns letzte Woche zugegangen.
Ein Donnerstag.
10:30 Uhr.
Also ein sicherer Termin, an dem berufstätige Eltern nicht kommen können.
Also rief ich heute dort an (denn ich muss auch arbeiten und an meinem freien Freitag ist die Kreisverwaltung selbstverständlich nicht besetzt … ), um zu fragen, ob man den Termin nicht entweder um einen Tag verschieben könne, oder aber, wenn das nicht geht, ihn nach hinten zu verlegen.
Die nette Dame der Kreisverwaltung zeigte sich herzlich und erfrischend unkooperativ und verwies mich darauf, dass die Einladung ja frühzeitig verschickt werden, damit die Eltern es einrichten können, außerdem seien ja Vertreter des Kindergartens und der therapeutischen Einrichtung zugegen, durch die wir uns ja vertreten fühlen könnten.
Bei dem Wort frühzeitig wurde ich dann ein wenig angepisst und habe gefragt, ob sie 2 Wochen nach eigentlicher Beendigung der Maßnahe für frühzeitig hielte.
Auf diese Frage kam keine Antwort, aber dann doch das Angebot, ich könne ja jemand anders vorbei schicken, der uns vertreten könne, oder aber auch eine schriftliche Stellungnahme einreichen.
Naja… toll, eine Stellungnahme und ich kann nicht auf Fragen oder Anmerkungen eingehen. Tolle Option.
Mit anderen Worten, ich muss einen Urlaubstag opfern, für eine uneinsichtige Kreisverwaltung. Egal, es geht um meine Tochter, also habe ich dann auch direkt Urlaub eingereicht.
4 (sic!) Minuten später klingelt mein Telefon.
Nein, es war nicht die Kreisverwaltung, sondern die bekifft/sedierte Dame vom Gesundheitsamt.
Diese war vor 2 Wochen 30(!) Minuten im Kindergarten meiner Tochter, um einen Besuch durchzuführen.
Sie gab im Verlauf des Besuches gegenüber der Therapeutin und der Kindergartenleiterin dann sogar zu, sie sei mit dem Vorsatz gekommen, dass sie Möglichkeiten findet, dass die Maßnahme eingestellt werden könne.
Nach einer wohl längeren Diskussion – und unter dem Hinweis, dass meine Tochter nächstes in gut 3 Monaten zu einem Vorschulkind würde und sie alles andere als bereit dazu sei – lenkte die Dame vom Gesundheitsamt ein, sie sei auf diesen Umstand ja gar nicht vorbereitet.
Meine Frage nun:
Wie bitte kann das denn sein?!?
Wenn ich zu einem Termin gehe, bin ich doch wenigstens ansatzweise vorbereitet, oder sehe ich das falsch?
Aber nein, sie wußte noch nicht mal das Geburtsdatum meiner Tochter.
Am Telefon fragte sie mich dann, welche ambulanten Therapien denn bei meiner Tochter durchgeführt würden.
Ich war ein wenig verwirrt, weil das auch Thema ihres Besuches gewesen war.
Ich antwortete also, dass sie in logopädischer Behandlung sei und eben die einzelintegrative Maßnahme. Ich wechsele nun mal kurzfristig in die wörtlich Rede, da ich dieses Gespräch gerne so wiedergeben möchte:
“Aha … mhm … Wann würden sie denn mal wieder zum Kinderneurologischen Zentrum gehen, wir bräuchten ja mal einen aktuellen Befund …”
“*?* Ähm … es liegt doch ein aktueller Befund vor … der ist vom August 2009.”
“Ja … gut … wir bräuchten halt einen Befund, in dem die Entwicklung halt mal begutachtet wird und eine Entwicklungsprognose angeführt wird …”
“*??* Aber wenn sie den Befund gelesen haben, steht doch drin, dass meine Tochter von der Einzelintegration profitiert, ihre Entwicklung immer noch verzögert ist und auch zu welchem Grad … *??*”
“Aha … Ja … also wir bräuchten halt mal einen aktuellen Befund, der …”
“Moment … der Befund ist doch aktuell, der ist gerade mal ein wenig älter als ein halbes Jahr …? Ich habe ja schon angerufen, aber es dauert halt nun mal im KiNZ einen Termin zu bekommen … Zumal, wenn sie nochmal nachlesen möchten, im Befund steht, dass die Nächste Untersuchung eigentlich vor der Einschulung stattfinden soll!”
“Ah … ja, wissen sie, ich lese es gerade, ich habe mich in den Fall ja offengestanden noch nicht wirklich eingelesen …”
“*?!?!*
“Naja gut, dann sehen wir uns ja am 25.ten … Wiederhören”
Wie bitte zum Henker kann das denn sein?
Langsam dreh ich echt durch…
Es geht hier um das Wohl eines Kindes.
Meine Tochter benötigt Hilfe, die dieses Amt nicht nur leisten kann, sondern auch verdammt nochmal leisten soll! Überall wird gemeckert, Kinder würden vernachlässigt, Eltern würden sich nicht kümmern und das Kindeswohl müsse Vorrang haben.
Aber Wir, die wir Hilfe wollen, bei denen soll möglichst viel Geld eingespart werden?
Das ist eine so bodenlose Frechheit, dass ich echt nicht mehr weiß, was ich da sagen soll.
Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, dem so etwas passiert und ich weiß auch, dass es weitaus Schlimmeres gibt, was alles so vor sich geht.
Aber hier geht es verdammt nochmal um *mein* Kind!
Und da hört für mich der Spaß eindeutig auf.

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